Nachtsicht-Lichtblick, 13.03.11

Gruß &Votum
Herzlich willkommen zu unserer Jugendkiste,
dem Gottesdienst für Junge und Junggebliebene.
Wir begrüßen euch heute nicht mit unserem fröhlichen Mausjingle,
da er nicht ganz zu unserem Thema passt.
Denn heute geht es um eine der dunklen Seiten des Lebens:
um Mobbing, Ausgrenzung und Einsamkeit unter Jugendlichen.
Wir haben dazu wieder viel Musik, Theater und eigene Texte für euch vorbereitet und
hoffen, dass es euch gefällt.
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters
und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
(Hannah)


Einleitung ins Thema
Auch von mir noch einmal „Hallo“.
Vielleicht haben Sie ja schon gemerkt, dass hier einiges etwas anders ist.
Wie gesagt: In dieser Jugendkiste soll es um das Thema „Mobbing, Außenseitersein, im Dunkeln stehen“
aber auch darum wieder „ins Helle kommen“ zu gehen.
Wir haben dieses Thema gewählt, weil wir gemerkt haben, wie sehr dies ein Tabuthema ist.
Das solltees unserer Meinung nach aber nicht bleiben, denn wie sollen es die Opfer schaffen, aus
ihrer Rolle herauszukommen und dabei nicht zum Täter zu werden, wenn keiner ihnen hilft.
Wir haben in diesem Gottesdienst nicht vor, Ihnen die Wahrheit zu verschönen.
Wir möchten wenigstens einige Zeit zeigen, wie hilflos und unbeachtet diese Personen sind.
Täter, Opfer, Gaffer...
Wir wollen Tätern Mut machen, dass sie es aus dem Täter sein heraus schaffen.
Wir möchten den Opfern Mut machen, sich nicht verbiegen zu lassen
Und den Gaffern die Kraft geben, aufzustehen und zu helfen.
Ich glaube, in diesem Gottesdienst wird jeder seine Rolle finden.
(Ida)

Hannah

Wenn du dir nicht selbst hilfst, hilft dir niemand.
Kaum hast du Vertrauen gefasst, wirst du schon ausgenutzt.
Da schaue ich lieber
für mich.“
Drei Sätze, die von schmerzlichen Enttäuschungen und bitteren
Erfahrungen zeugten.
Drei Sätze als Panzer gegen keimende Hoffnungen,
Ausdruck der Angst vor erneuten Verletzungen.
Was mochte Rosa schon alles erlebt haben?

...und ob ich schon wanderte im finsteren Tal...“

Was man so sagt
Als sie lachte,
sagte man, sie sei kindisch.
Also machte sie fortan ein ernstes Gesicht.
Das Kind in ihr blieb,
aber es durfte nicht mehr lachen.
Als sie liebte,
sagte man ihr, sie sei zu romantisch.
Also lernte sie, sich realistischer zu zeigen.
Und verdrängte
So manche Liebe.
Als sie reden wollte,
sagte man ihr, darüber spreche man nicht.
Also lernte sie zu schweigen.
Die Fragen in ihr brannten,
blieben ohne Antwort.
Als sie weinte,
sagte man ihr, sie sei einfach zu weich.
Also lernte sie, Die Tränen zu unterdrücken.
Sie weinte zwar nicht mehr,
doch hart wurde sie nicht.
Als sie schrie,
sagte man ihr, sie sei hysterisch.
Also lernte sie, nur noch zu schreien,
wenn niemand es hören konnte,
oder sie schrie lautlos in sich hinein.
Als sei ein Jahr später
Sich und das Leben aufgegeben hatte,
sagte man gar nichts mehr.
Und jeder für sich versuchte,
leise das Unbehagen mit den Blumen ins Grab zu werfen.
(zitiert von Angelika)


Das klassische Opfer:

Es ist zurückhaltend und kann sich nicht wehren.
Es traut sich selbst nicht viel zu und wird als Außenseiter bezeichnet.
Es wird gemobbt, verspottet, beleidigt, belästigt, geschlagen und ausgelacht.
Es fühlt sich oft seh
r alleine und einsam und traut sich vor Angst keinem etwas zu erzählen. Es ist in
sich gekehrt, innerlich tief verletzt und hat nur wenig Freunde.
Es versucht sich anzupassen, leidet unter dem Gruppenzwang.
Oft scheint der einzige Ausweg Alkohol, Drogen od
er ritzen zu sein.
Es hofft, von irgendjemandem verstanden zu werden
und hat gleichzeitig ganz oft keine Hoffnung
mehr.

(Regina)

Täter

ich versuche dich zu verstehen und lese:
Gewalttäter wurden früher oft nicht gemocht, waren Außenseiter, wurden selber gemobbt oder
hatten Probleme in der Schule oder Familie.
Manche haben keine Freunde, außer den Alkohol oder Drogen.
Andere sind einfach irgendwie an die falschen Freunde, in die falsche Clique geraten.
Viele von ihnen haben keine Zukunftsperspektive, wissen nicht wohin mit sich, wohin mit ihrem
Hass oder ihrem Kummer.
So lassen sie ihre Wut und ihren Hass, alles was sie selber erlebt haben an andern aus.
Sie fühlen sich ausgeschlossen aus der Gesellschaft und wollen auf sich aufmerksam machen.
Sie fühlen sich nur dann stark, wenn sie jemand anderen kleinmachen, fertigmachen können.
Sie zeigen ein unangemessenes Sozialverhalten und eine besonders zurückgezogene Haltung in der Schule.
Viele von ihnen haben ein mangelndes Selbstwertgefühl.
All das lese ich und kann (teilweise) verstehen, warum du so geworden bist.
Aber was ich nicht verstehe: Warum hörst du nicht damit auf?

(Ida)

Mitläufer

warum quälst du die anderen?
Warum tust du ihnen weh?
Ich bin mir sicher, dass du merkst, was du da tust.
Dass du Zweifel hast und ein schlechtes Gewissen.
Soll ich dir sagen, warum du das tust?
Du hast Angst.
Du hast Angst vor dem Täter.
Du fürchtest dich davor, sein Opfer zu werden.
Also stellst du dich hinter den Täter, damit er dich nicht zu seinem nächsten Opfer macht, damit du ihm nicht in die Quere kommst.

(Hannah)

Ich helfe

An dieser Stelle sollte ein Impuls über „ich helfe“ kommen. Eigenartiger weise wollte sich keiner
dafür melden?
Weshalb?
Lasst uns darüber einen Moment nachdenken...

Ich hole Hilfe

Wieder geht jemand
vorbei und tut nichts. Denkst du.
Aber dieser Mensch läuft nicht nur vorbei.
Er will nur nicht riskieren, selber in das Kreuzfeuer des Hasses zu geraten.
Er hat kein Interesse daran, sich den Tätern anzuschließen, um cool zu sein.
Er weiß, dass es nichts
mit Stärke zu tun hat, andere zu verletzen.
Er sucht sich mächtigere Verbündete:
Leute, mit denen er helfen kann.
In diesem Fall kommt der Lehrer in die Klasse,
der Ladenbesitzer des Kiosks steht vor dir
oder sogar die Polizei biegt um die Ecke.
Man muss n
icht dazwischen springen um zu helfen.
Man muss nur im richtigen Moment das richtige tun.
Helfer haben viele Gesichter.

(Sara)

Erzählung an Gott

Es war immer so. Obwohl ich immer in der „in-Clique“ stand, immer mit den coolsten Leuten
unterwegs war und immer auf den angesagtesten Partys eingeladen war, hatte ich nie richtige
Freunde, mit denen ich wirklich reden konnte. Meine freunde sahen in mir nur das fröhliche, witzige, gutaussehende und Jungs umschwärmte Mädchen, das von ihren Eltern maßlos gestresst war.Nie hab ich die Möglichkeit bekommen, meine Fassade abzubauen und ich zu sein. Denn es gab niemanden, der ein unsicheres, romantisches und an Gott glaubendes Mädchen sehen wollte. Doch halt: Vor dir musste ich mich nie verstellen.Du warst dereinzige, der mich kannte. Doch du wirst immer bei mir sein und du wirst mich nicht verlassen.Auch wenn ich jetzt mein altes Leben und das witzige, gutaussehende, Jungs umschwärmte Mädchen hinter mir lasse.
Tschüss
Vielleicht bis bald

(Ida)

Fürbitten:

Lieber Gott,
Bitte hilf all jenen, die
Opfer
von Mobbingattacken sind, wieder aufzustehen und nicht zu Tätern zu
werden. Bitte hilf ihnen, den Mut aufzubringen, sich zu wehren und sich nicht aus Angst zu ducken
und zerstören zu lassen. Hilf, ihnen einen Weg aus der Einsamkeit und der Verzweiflung zu finden,
der nicht „Spring!“ heißt, sondern dass sie sich an andere wenden und sich helfen lassen.

Lieber Gott,
hilf den Leuten ihren Mund aufzumachen, wenn sie eine andere Meinung haben oder mit etwas
nicht einverstanden sind.
Hilf ihnen, dass sie sich trauen etwas dagegen zu unternehmen, wenn sie sehen, das jemand in
Schwierigkeiten ist und sich nicht helfen kann.
Hilf, dass sie sich wehren, wenn sie oder jemand angegriffen wird.
Zeig ihnen, dass sie nicht einfach rumstehen, sondern dazwischen gehen oder Hilfe holen sollen.

Herr,
wir bitten dich:
Hilf den Tätern, damit sie erkennen, wie viel Leid sie anderen bereiten.
Damit sie beginnen, sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen
und nach neuen Wegen suchen, sich anderen mitzuteilen.

Gott,
hilf denen, die für ihre Freiheit kämpfen.
Die auf die Straße gehen, um etwas zu bewegen.
Gib ihnen weiterhin die Kraft und den Mut, sich für ein gerechteres Leben und Gleichheit
einzusetzen.
Hilf ihnen, Wege zu finden dabei die Waffen liegen zu lassen und sei
für sie da, wenn sie dich
brauchen.


Lieber Gott, segne alle, die Mobbing und Ausgrenzung erleiden müssen.
Dass sie ihren Weg aus der Dunkelheit finden und nicht zu Tätern werden.
Begleite sie, dass sie sich nicht alleine fühlen müssen und zeig ihnen den richtigen Weg.
Herr,
segne die
Täter, die den Mut finden
aus ihrem Teufelskreis der Gewalt auszubrechen
und nochmal neu zu beginnen.
Gott segne diejenigen, die sich
gegen Ungerechtigkeit wehren.
Herr segne jene
Die sich trauen, ihre Meinung zu sagen und zusammenhalten.
Hilf ihnen, gewaltlos im Widerstand zu bleiben und gib ihnen die Kraft, um ihre Ziele durchzusetzen.
Gott, segne die, die alles dafür geben, dass ihre Kinder
in einem gerechten Landleben.
Diese Menschen setzen für ihren Wunsch ihr Leben aufs Spiel.
Nehme diese in deine schützende Hand und stärke ihnen den Rücken,
bis sie ihre Ziele durchgesetzt haben.
Amen

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